Kreisgruppe Hildesheim

Projekt Wildkatzensprung

Seit rund 70 Jahren sind Wildkatzen unter Schutz gestellt und die Jagd auf sie ist verboten. Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten und durch internationale Abkommen, wie dem Washingtoner Artenschutzabkommen, der Berner Konvention und der europäischen Fauna-Flora-Habitatrichtlinie streng geschützt. In der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltiere Deutschlands wird die Wildkatze in Niedersachsen als „stark gefährdet“ eingestuft.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) engagiert sich bereits seit 2004 mit seinem Projekt ,,Ein Rettungsnetz für die Wildkatze" für den Schutz der scheuen Samtpfoten und der Vernetzung ihrer Lebensräume. Nachdem die Landesverbände des BUND Thüringen, Hessen und der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) das Projekt erfolgreich gestartet hatten, folgte im Jahr 2007 der BUND in Niedersachsen, um das Rettungsnetz zu unterstützen. Dieses Rettungsnetz sieht vor, die Population der Wildkatzen zu erhöhen, indem die isolierten Wälder durch Waldwege und Brücken verbunden werden.

(Mehr zum Thema Wildkatze gibt es auf der Seite des BUND Landesverband Niedersachsen. )

 

Mit dem Projekt "Wildkatzensprung" setzt der BUND die Vision eines deutschlandweiten Waldverbundes zum Schutz von in Wäldern lebenden bedrohten Tierarten weiter um. In den Jahren 2012 bis 2014 entstehen deutschlandweit fünf grüne Korridorverbindungen und eine Waldaufwertung, die Wildkatze & Co Schutz bei der Wanderung bieten und ihre Populationen sichern. In Niedersachsen liegt der Fokus im Landkreis Hildesheim. In dessen südlichen Waldgebieten wurden in den letzten Jahren vermehrt Wildkatzen nachgewiesen. Die für Wildkatzen geeigneten Wälder im Landkreis sind momentan voneinander isoliert: durch Äcker, Siedlungen und Straßen. Außerdem werden die sehr hochwertigen Böden in der Region intensiv landwirtschaftlich genutzt und weisen einen entsprechend geringen Strukturreichtum auf. Deshalb ist es hier eine besondere Herausforderung, Wanderkorridore zu schaffen. Ziel ist es, eine stabile Wildkatzenmetapopulation in den vernetzten Waldgebieten der Region zu etablieren und mit den schon vorhandenen Populationen im Harz und Solling zu verbinden. Langfristig sollen die isolierten Waldgebiete Hainberg, Hildesheimer Wald, Vorholz, Osterwald, Sackwald, Harplage, Heber, Hils und Ith durch Pflanzung von grünen Korridoren miteinander vernetzt werden, um so die Wanderbewegungen der Wildkatze zu fördern.

Wildkatzen brauchen Wanderwege!

Wildkatzenkorridor in Gerzen Wildkatzenkorridor in Gerzen  (S. Walingen)

Aus diesem Grund wurden auch im Landkreis Hildesheim Korridore zur Waldvernetzung mit Büschen und Bäumen bepflanzt. Zum Beispiel 4 Flurstücke (jeweils teilweise) in den LK Hildesheim und Holzminden, Sie dienen der Vernetzung von Duinger Berg und Hils. Im November 2013 wurden hier von vielen fleißigen Helfern 2000 Bäume und Sträucher auf 1,6 ha gepflanzt.

Kätzchen im Wald lassen und achtsam im Straßenverkehr fahren

Junge Wildkatzen können noch leicht mit Hauskatzen verwechselt werden  (Thomas Stephan / BUND)

Immer wieder nehmen besorgte Tierfreunde unwissentlich junge Wildkatzen aus dem Wald mit, bringen sie zu Tierärzten oder Schutzstationen oder behalten sie einfach zu Hause. Das kann für eine Wildkatze tödlich sein. Der BUND fordert Spaziergänger*innen und Wanderer auf, die Jungtiere nicht anzufassen oder gar mitzunehmen, auch wenn sie scheinbar allein und mutterlos angetroffen werden.

„Für die Tiere bedeutet die Entnahme aus ihrem Lebensraum enormer Stress“, weiß BUND Wildkatzenexpertin Andrea Krug. „Zudem ist das Immunsystem der Wildkatze, insbesondere das der Jungtiere, nicht gegen Infektionen mit Hauskatzenkrankheiten gewappnet. [...] Wer bei der Sichtung einer Jungkatze Zweifel hat, sollte den zuständigen Förster, Jäger oder den BUND kontaktieren und diesem die Stelle, an der er die Kätzchen gesichtet hat, mitteilen. Fachleute kümmern sich dann um das Tier“, empfiehlt Krug.

 

Wichtige Erkennungsmerkmale: Die verwische Fellzeichnung und der buschige, geringelte Schwanz  (Thomas Stephan / BUND)

Eine noch größere Gefahr droht der Wildkatze gerade im Herbst durch den Straßenverkehr: Ausgewachsene Tiere begeben sich dann auf die Suche nach neuen Lebensräumen. Vielen droht dabei der Tod an der Straße, denn vielerorts wird ihr Lebensraum von vielbefahrenen Verkehrswegen durchschnitten. „Für den Erhalt der streng geschützten Art stellen Verkehrsunfälle eine ernste und dauerhafte Bedrohung dar“, betont die BUND-Expertin. Sie rät Autofahrer*innen, besonders in waldreichen Gegenden und in der Dämmerung auf Geschwindigkeitsbegrenzungen und allgemeine Wildwechsel-Verkehrsschilder zu achten. „Behalten Sie den Straßenrand rechts und links im Auge. Blenden Sie nicht das Fernlicht auf, wenn ein Tier zu sehen ist, sondern hupen Sie, damit das Tier flüchtet.“

Falls es dennoch zu einem Unfall mit einer Wildkatze kommt, bzw. Sie ein totes Tier finden, nehmen Sie den Körper auf keinen Fall mit. Melden Sie den Fundort und Fundzeitpunkt der Polizei, diese verständigt daraufhin den zuständigen Jagtaufsichtsberechtigten. Weitere Informationen wie Sie sich im Falle eines Wildunfalls verhalten sollten, finden Sie beim Landkreis Hildesheim.

Wildkatzenkorridor bei Gerzen Wildkatzenkorridor bei Gerzen  (M. Köhler)

Drei Wildkatzenkorridore gibt es hier in der näheren Umgebung: in Gerzen, Schlewecke und am Bethelner Bach.

Mehr zu aktuellen Arbeitseinsätzen bei den Wildkatzenkorridoren gibt es HIER.

Für den LK Hildesheim ist der Ansprechpartner zum Thema Wildkatzen: stefan.walingen(at)bund.net.

Ansprechpartnerin

für das Projekt Wildkatze auf Landesebene ist Andrea Krug

Goebenstraße 3a, 30161 Hannover
Postfach 1106, 30011 Hannover
Tel: (0511) 965 69 - 39

andrea.krug(at)nds.bund.net

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