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Kreisgruppe Hildesheim

Gewässerentwicklungsplan

Der Gewässerentwicklungsplan

Ein Maßnahmenpaket zur Renaturierung der Innerste

Kartenausschnitt des Gewässerentwicklungsplans Kartenausschnitt des Gewässerentwicklungsplans  (Ingenieurgemeinschaft agwa Hannover)

Der Gewässerentwicklungsplan ist ein Instrument zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Er beinhaltet Ziele und Maßnahmen, die konkret auf das jeweilige Gewässer abgestimmt sind und dient als "roter Faden" für Renaturierungsmaßnahmen, damit diese in einem sinnvollen Gesamtzusammenhang stehen.

Der GEPL ist ein Fachplan ohne rechtliche Bindung. Seine Umsetzung gründet auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.

Der Gewässerentwicklungsplan für die Innerste von der Talsperre bis zur Mündung wurde 2012 u.a. im Auftrag des Landkreises Hildesheim durch die Ingenieurgesellschaft agwa GmbH erstellt.

Basierend auf einer Defizitanalyse und einem Zielkonzept empfiehlt der GEPL konkrete Maßnahmen für jeden einzelnen Abschnitt der Innerste und stellt diese auf Karten dar.

Er enthält u. a. folgende Vorschläge:

  • Strukturvielfalt erhöhen, Stärkung der Eigendynamik, damit die Innerste ihre typgerechten hydromorphologischen Strukturen zurückgewinnen kann.
  • Gewässerprofil aufweiten, mehr Platz in der Breite schaffen
  • Weitere Eintiefung stoppen, Gewässersohle stabilisieren durch Einbau von Querriegeln und naturraumtypischem Sohlsubstrat
  • Gehölzsaum ergänzen: Bäume und Totholz haben vielfältige positive Wirkung auf die Gewässerentwicklung: Beschattung, Stabilisierung des Ufers, Sauerstoffanreicherung
  • Stofflichen Eintrag aus den angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen verringern z.B. durch Ausweisung von Gewässerrandstreifen
  • Wehre, die nicht beseitigt werden können, passierbar machen, durch Umfluter oder Einbau eines Fischpasses.

Karten mit Maßnahmenvorschlägen aus dem Gewässerentwicklungsplan für die Innerste finden Sie hier.

Welche Maßnahmen sind für die Innerste geplant?

Godehardiwehr Freiflut unüberwindbares Hindernis für Wasserlebewesen Godehardiwehr Freiflut unüberwindbares Hindernis für Wasserlebewesen  (M. Köhler)

Ökologische Durchgängigkeit schaffen!

Die  Innerste ist eine Wanderroute für Fischarten, die allerdings durch durch zahlreiche Wehre und weitere Hindernisse gestoppt werden. Mühlwehre sind für fast alle Wasserlebewesen nicht zu überwinden. Außerdem ergibt sich oberhalb des Wehr durch die Stauung ein gänzlich anderes Ökosystem welches eher einem See oder Altarm als einem Fluss gleicht.

Sohlschwellen hemmen den auch für kleinere Lebewesen wie Wasserinsekten lebenswichtigen Aufstieg. Sie dienen dem Schutz vor Tiefenerosion, welche sich wiederum aus der Begradigung und der damit verbundenen schnelleren Fließgeschwindingkeit des Wassers ergibt.

Sohlschwelle unterhalb der Kläranlage Giesen Sohlschwelle unterhalb der Kläranlage Giesen  (M. Köhler)

Diese Hindernisse müssen entweder umgebaut oder umgangen werden.

Der Gewässerentwicklungsplan empfiehlt z.B. die Sohlschwellen unterhalb der Kläranlage in Giesen und unterhalb der Eisenbahnbrücke bei Sarstedt in Sohlgleiten umzubauen.

Sohlgleite Bückener Mühlbach Sohlgleite Bückener Mühlbach  (UHV)

Bei einer Sohlgleite erstreckt sich der zu überwindende Höhenunterschied über einen längeren Flussabschnitt, so dass die Steigung für alle Wasserlebewesen zu überwinden ist. Zahlreiche kleinere Querriegel ersetzen die Sohlschwelle. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Reihe großer Steinquader die quer zur Fließrichtung im Flussbett verankert werden. Der Fluss trifft auf mehrere Barrieren mit versetzt zueinanderstehenden, unterschiedlich breiten Durchlässen. Durch ihr Positionierung bremsen Sie die Fließgeschwindigkeit und erhöhen die Durchgängigkeit für Wasserlebewesen.

Querriegel können auch zur Anhebung der Gewässersohle eingebaut werden. Dies ist zwischen Heinde und Itzum geplant.

Mäander-Fischpass am Wasserkraftwerk Johanniswehr Mäander-Fischpass am Wasserkraftwerk Johanniswehr  (M. Köhler)

Das Wehr der Großen Mühle in Hasede könnte laut Gewässerentwicklungsplan durch einen Fischpass, wie beispielweise am Wasserkraftwerk Johanniswehr, oder ein Umflutungsgewässer für die Lebewesen im Gewässer passierbar gemacht werden. 

Kiesbank an der Freiflut zeigt die noch vorhandne Dynamik des Flusses Kiesbank an der Freiflut zeigt die noch vorhandne Dynamik des Flusses  (M. Köhler)

Gewässerstruktur verbessern!

In begradigten und eingetieften Flussabschnitten haben es alle Gewässerlebewesen schwer. Sie müssen ständig gegen die Strömung ankämpfen, weil es keine ruhigen Abschnitte gibt. Es gibt keinen Schutz durch Totholz, Baumwurzeln oder Steine. Hochwasser kann alles Leben im Gewässer mit sich fortreißen. Altarme als Zufluchtsort für den Fischnachwuchs fehlen ebenfalls. Deshalb muss die Gewässerstruktur heterogener werden. Durch bauliche Maßnahmen zur Laufverlängerung oder Zulassen eigendynamischen Entwicklung entstehen Zonen mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten. Die strömungsärmeren Bereiche sind essenziell für weniger „schwimmstarke“ Fische und dienen außerdem als Kinderstube für viele Arten.

 

Labiles Steilufer auf Höhe der Kläranlage Groß Düngen Labiles Steilufer auf Höhe der Kläranlage Groß Düngen  (M. Köhler)

Durch die erhöhte Fließgeschwindkeit im engen, geraden Bett trägt der Strom kontinuierlich Sohlsubtrat ab und gräbt sich immer tiefer in den Untergrund. Im Laufe der Zeit entstehen äußerst labile Steilufer aus Auelehm. Hier muss die Sohle stabilisiert oder sogar angehoben werden. Aber nur wenn dem Fluss Entfaltungsmöglichkeiten in der Breite gegeben werden, hört die Tiefenerosion auf. Der Gewässerentwicklungsplan empfiehlt daher die Aufweitung des Gewässerprofils. Dort wo die Eigentumsverhältnisse es zulassen, oder ein mindestens 20 m breiter Gewässerrandstreifen erworben wird, können die Steilufer abgeflacht und ökologisch wertvollen Ufergehölze oder sogar Auwälder entstehen.

Die Aufweitung des Gewässerprofils wird unter anderm für Flussabschnitte zwischen der Lavesbrücke und Heinde, im Naturschutzgebiet Am Roten Steine, zwischen Giesen und Groß Förste sowie zwischen Ruthe und Sarstadt vorgeschlagen.

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