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Kreisgruppe Hildesheim

Ausflug zur Grünbrücke über die A7 im Hainberg am 22. September 2019

Herr Wolf bei der Führung zur Grünbrücke über die A7 im Hainberg Herr Wolf bei der Führung zur Grünbrücke über die A7 im Hainberg  (M. Köhler)

Die Grünbrücke über die A7 im Hainberg wird gut angenommen

 

Autobahnen stellen für Wildtiere ein unüberwindbares Hindernis dar und das nicht nur wegen ihrer Breite und des dichten Verkehrs, sondern weil sie beidseits mit Wildschutzzäunen gesichert sind. Autobahnen stoppen die Wanderbewegungen aller Wildtiere vom Rothirsch bis zum Laufkäfer. Und zerschneiden ihre Lebensräume.

Dies ist auch im Hainberg bei Bockenem der Fall. Deshalb wurde dort als Ausgleichsmaßnahme für den sechsspurigen Ausbau der A7 eine Grünbrücke errichtet, die die Waldlebensräume zu beiden Seiten der Autobahn wieder miteinander verbinden soll. Ein Jahr nach der offiziellen Fertigstellung haben wir die Brücke am 22. September 2019 besucht. Herr Wolf von der zuständigen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr aus dem Geschäftsbereich Gandersheim berichtete über ihre Entstehung, Funktion und erste Erkenntnisse über ihre Akzeptanz bei den „Nutzern“, den Wildtieren.

 

Die Brücke ist Teil des „Bundesprogramms Wiedervernetzung“ des Bundesamts für Naturschutz. Dies Programm hat als Ziel Lebensräume – in diesem Fall die Waldgebiete im Süden Niedersachsens zwischen Harz und Solling – mit einander zu verbinden. Dazu dient auch ein Teil der insgesamt fünf weiteren Grünbrücken, die bislang in Niedersachsen gebaut wurden. Die meisten sind allerdings schmaler als die immerhin 50 m breite Brücke im Hainberg. Auf einer 70 cm starken Rohbodenbedeckung wurden dort der Landschaft entsprechende Sträucher gepflanzt. Zusätzliche Deckung und Unterschlupf bieten Totholz und Steinhaufen. An den Brückenrampen entsteht neuer Wald aus einheimischen Laubbäumen wie Ahorn, Eiche und Buche.

 

Zur vollständigen Funktion fehlen der Brücke noch die Wildschutzzäune mit Schutzblechen gegen das Überklettern, die dafür Sorge tragen werden, dass das Wild nicht auf die Autobahn läuft. Dennoch konnte Herr Wolf berichten, dass die Brücke praktisch vom ersten Tag an sehr gut angenommen wird. Schon vor Fertigstellung der Bepflanzung konnten die ersten Wildtiere beim Queren der Brücke mittels Sandbett festgestellt werden. Mittlerweile wurden so gut wie alle Tiere, die in den angrenzenden Waldgebieten vorkommen, auch auf der Brücke dokumentiert. Selbst Fledermäuse und viele Vögel fliegen nicht gern über eine Autobahn, sondern queren sie lieber im Luftraum über einer Grünbrücke.

 

Die Brücke ist auch Teil des BUND Wildkatzenwegeplans. Sie ermöglicht den Tieren die Wanderung in den am weitesten nach Westen ragenden Ausläufer des Hainbergs. Von dort ist es nur noch ein „Katzensprung“ über die Nette hin zu den Waldgebieten im Westen des Landkreises. Auf dieser Strecke hat der BUND angrenzend an die Netteaue ein mit Bäumen bepflanztes „Sprungbrett“ für die Waldtiere angelegt. Im Anschluss an die Führung zur Grünbrücke besichtigten einige Teilnehmer auch diesen Wildkatzenkorridor.

 

Tiere auf der Grünbrücke

,,Wildkatzenkorridor" bei Schlewecke gepflanzt

,,Wildkatzenkorridor" bei Schlewecke gepflanzt ,,Wildkatzenkorridor" bei Schlewecke gepflanzt  (Georg Schwarzbach)

Der dritte "Wildkatzenkorridor" in Niedersachsen ist gepflanzt: Nach den Korridoren Golmbach (Landkreis Holzminden, 2011) und Gerzen/Alfeld (LK Hildesheim und Holzminden, 2013) konnte bei Schlewecke (Bockenem) noch im November 2013 der dritte Korridor realisiert werden. Insgesamt 500 standortgerechte Bäume und Sträucher wurden durch das Forstunternehmen Albert Schütte in die Erde gebracht. Das Forstamt Liebenburg unterstützte die Aktion.

Der neue Wildtierkorridor soll in den nächsten Jahren die Vernetzung des Hainberg mit den Saubergen bei Bad Salzdetfurth verbessern. Dabei handelt es sich um einen Abschnitt der für viele Tiere wichtigen Wanderroute vom Harz in den Nordwesten, über Hildesheimer Wald und Deister bis in die Lüneburger Heide. Die Fläche in der Gesamtgröße von 6,5 Hektar stammt aus dem Besitz der Paul Feindt-Stiftung und wurde für 25 Jahre an den BUND verpachtet. Hier wurde früher Ton abgebaut: Die kleinen Teiche und Tümpel zeugen noch heute davon.

Gepflanzt wurde ein 90 Meter langer und ca. 25-30 Meter breiter Korridor, in anderen Bereichen wurde mosaikartig aufgeforstet. Zuletzt wurden Lücken in einigen Randbereichen geschlossen, so dass die Fläche besonders geschützt wird. Die teilweise wertvollen Amphibienbiotope wurden nicht bepflanzt. Bereits jetzt finden viele wandernde Tierarten in den vorhandenen Strukturen Deckung und Zuflucht. Auch die Jagd ruht hier freiwillig. Sollte es gelingen, weitere Flächen in unmittelbarer Umgebung auszuforsten, könnte mittelfristig eine vollständige Vernetzung der Waldgebiete erreicht werden.

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