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Umweltfreundliche Mobilität

Gemeinsame Einschätzung von VCD und BUND zum Start des Tarifverbundes „ROSA“ in Stadt und Landkreis Hildesheim

ROSA – attraktives Tarifkonzept oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Mit Spannung haben VCD und BUND als Befürworter eines attraktiven ÖPNV das Ergebnis der jahrzehntelangen Diskussionen zu einem Tarifverbund in Hildesheim erwartet. Die erste interne Einschätzung der veröffentlichten Tarifbedingungen war ernüchternd. Die grundlegenden Anforderungen an einfache Verständlichkeit und Transparenz wurden nicht erreicht und die Preise steigen zum Teil kräftig.

„Trotzdem wollten wir nicht sofort mit unserer Kritik am Papier in die Öffentlichkeit, um dem neuen Tarif zumindest eine gute Startchance zu geben“, so die beiden Vertreter von VCD und BUND. „Wenn allerdings jetzt schon die ersten Irritationen auftreten, bestätigen sich leider unsere Befürchtungen. Daher möchten wir unsere erste Einschätzung nicht mehr für uns behalten.“

VCD-Verkehrsexperte Karl Ulrich Gutschke: „Das Preis-/Leistungsverhältnis von ROSA für einen attraktiven ÖPNV ist nach wie vor inakzeptabel. Es bleibt rätselhaft, wie diese Tarifstruktur Menschen zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel motivieren soll. Die zwingend notwendige Mobilitätswende wird so nicht unterstützt.“

BUND-Vertreter Ulrich Germer: „Wenn zwei von sechs Verkehrsträgern im Landkreis ihre Tarifsysteme zusammenfassen und ein dritter dieses in engen Grenzen akzeptiert, ergibt das noch lange keinen Verkehrsverbund. Das resultierende Durcheinander von Überschneidungen und Anschlusstarifen, welches sich bei Einzel- und Zeitkarten auch noch unterscheidet, macht die Sache kaum transparenter.“

Der vorliegende Fall der Schülerin aus Klein Düngen macht deutlich, dass im Lammetal der neue Tarif quasi nicht zum Einsatz kommt. Dass diese Schülerin, um ihre bisherige Fahrmöglichkeit von Groß Düngen nach Hildesheim wahrzunehmen, nach der Gründung von ROSA drei verschiedene Monatskarten benötigt, ist schon skurril, es erschreckt aber auch das hohe Preisniveau von 85,10 € im Monat.

Würde diese Schülerin im Bereich des Großraumverkehrs Hannover leben, könnte sie für 15 (!) Euro im Monat eine Jugendnetzkarte für den gesamten Großraum Hannover erwerben. An diesem Beispiel kann man erkennen, welchen Nutzen für die Bürger eine großzügige Unterstützung des ÖPNV durch die Politik bringen kann. Der Landkreis Hildesheim steht hier in der Verantwortung.

Durch ROSA wird es offenbar in den Orten, die direkt an die Stadt grenzen, im Bus deutlich teurer. In einer Stichprobe steigt der Preis einer ROSA-Monatskarte für Schüler und Azubis von Heinde nach Hildesheim von 61,10 Euro auf 72,00 Euro. Wochenkarten gibt es gar nicht mehr. Trotz „Verbund“ und gleicher ROSA-Tarifzone darf damit auch die Lammetalbahn ab Groß Düngen trotz neuer Rufbusanbindung nicht benutzt werden. Hier gilt Niedersachsentarif.

Zu guter Letzt weisen wir darauf hin, dass das Tarifwerk von ROSA eine Erhöhung der Preise für Einzelfahrten im Stadtverkehr Hildesheim von bisher 2,60 € auf 2,80 € beinhaltet. Das dürften die Fahrgäste des Stadtverkehrs als Affront empfinden, da sie in den zurückliegenden Monaten schon unter zahlreichen Fahrtausfällen und einer erheblichen Ausdünnung der Taktfrequenzen zu leiden hatten.

VCD und BUND werden die Erfahrungen nach Start von ROSA sehr genau beobachten und freuen sich auch über Erfahrungsberichte von Nutzer*innen an vcdhildesheim(at)posteo.de.


Stellungnahme der BUND Kreisgruppe Hildesheim zum Nahverkehrsplan des Landkreises

 (RVHI Hildesheim)

Ein attraktiver öffentlicher Personennahverker (ÖPNV) trägt zu einer nachhaltigen CO2-Reduktion bei. Daher hat die Kreisgruppe sich erstmals mit dem alle fünf Jahre fortzuschreibenden Nahverkehrsplan (NVP) des Landkreises befasst.

Der NVP ist die gesetzlich verankerte Grundlage für einen tragfähigen ÖPNV.

Auch wenn das Beteiligungsverfahren nur für Fahrgastverbände und nicht für einen Umweltverband wie den BUND gedacht war, so haben wir uns dennoch mit dem vorliegenden Entwurf 2020 befasst und eine Stellungnahme erarbeitet. Diese beinhaltet folgende Schwerpunkte:

Verzahnung aller Verkehrsträger auf Straße (SVHi, RVHI) und Schiene (DBRegio, NWB, erixx, Enno)

  • mit abgestimmten Fahrplänen
  • mit einem einheitlichen, einfachen und preislich attraktiven Tarifsystem 
  • mit zentralen Informationsmedien (online, offline) mit Echtzeitinformationen (online, telefonisch)

Die Details lesen Sie hier in unserer Stellungnahme, die auch von VCD und AStA unterstützt wird.


Umweltfreundliche Mobilität

Der BUND Hildesheim ist mit mehreren anderen Gruppen Teil des Arbeitskreises Mobilität, der sich für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik in Hildesheim einsetzt. Die Gestaltung des Verkehrs in Stadt und Land ist ein wichtiger Baustein im Schutz von Natur und Umwelt.

Es geht um saubere Luft, weniger Lärm, mehr Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer, mehr Lebens- und Erholungsraum in der Stadt. Dies ist ein weites Feld, das sich mit anderen BUND-Themen überschneidet.

Wir sind im Arbeitskreis eine bunt gemischte Gruppe aus allen Altersgruppen und Berufen. Wir treffen uns 1x im Monat. Es gibt immer etwas zu tun und jeder Beitrag an Ideen und tatkräftiger Unterstützung ist willkommen.

Wer mehr wissen möchte, kann dies im Positionspapier "Arbeitskreis Mobilität - Hildesheimer Verkehrswende jetzt!" nachlesen.