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Kreisgruppe Hildesheim

Konflikt beim Gewässerschutz

Kalihalde Giesen Kalihalde Giesen  (R. Beckerschmidt)

BUND will die Versalzung von Innerste und Grundwasser stoppen und klagt deshalb gegen die Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerks Siegfried Giesen

Durch die Wiederaufnahme des Bergbaus und der Düngemittelproduktion in Siegfried Giesen entstehen vermeidbare neue Umweltbelastungen, während vorhandene bestehen bleiben.

 

Kalihalden belasten Wasser und Böden

Kalihalden wie die in Giesen sind Salzberge. Regen löst sie auf. Die dabei entstehende Salzlauge wird zum Teil aufgefangen und in die Innerste eingeleitet. Ein großer Teil versickert jedoch im Boden und verunreinigt das Grundwasser. Dafür gibt es keine Erlaubnis. Es hat sich ein 2 km langer Salzwasserstrom im Untergrund gebildet, der bereits die Innerste erreicht hat.

Nun soll eine zweite, sehr viel größere Salzhalde aufgeschüttet werden. Fruchtbarer Boden wird versiegelt und Lebensraum vernichtet. Die neue Halde verfügt über eine Basisabdichtung und soll abgedeckt werden, die Althalde jedoch nicht. Vor allem in den ersten Betriebsjahren wird deutlich mehr Salzwasser in die Innerste eingeleitet als heute und als beantragt. Hinzu kommt künftig das Salz aus dem Grundwasser.

Der Zustand von Grund und Oberflächengewässern muss sich verbessern und darf sich nicht verschlechtern. Dies Ziel wird in Giesen verfehlt, das gute ökologische Potential nicht erreicht! Die Salze mobilisieren Schwermetalle wodurch sich der Gewässerzustand weiter verschlechtert.

Die Belastung der Fließgewässer ist ein Verstoß gegen die Ge- und Verbote des § 27 Wasserhaushaltsgesetz sowie eine Verletzung der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie.

Ausbreitung der Salzfahne im Grundwasser. Ausbreitung der Salzfahne im Grundwasser.  (Quelle: Vorläufige Gefährdungsabschätzung Werk Siegfried Giesen, Althalde 28.3.2019, Anlage 6)

Kalibergbau ohne Halden

Nach Ende des Bergbaus müssen keine Halden zurückbleiben. Die Rückstände können wieder in den Salzstock zurückgebracht oder verwertet werden.

Die Abdeckung von Kalihalden ist eine Scheinlösung! Regenwasser dringt weiter bis zum Salz hindurch und löst es langsam auf. Eine Basisabdichtung lässt sich nicht nachträglich installieren, also sickert weiter Salzwasser in den Untergrund. Die Halden müssen über Jahrhunderte überwacht und instandgehalten werden bis sie endgültig „weggeregnet“ sind.

Behörden und die K+S AG stehen nicht zu ihrer Verantwortung für das Grundwasser und die Althalde, sondern grenzen dies Problem aus dem Verfahren aus.

 

Emissionen und Lärm belasten die Anwohner

Die Abluft aus dem Schacht wird ungefiltert ausgeblasen und die Züge der Werksbahn verlärmen Wohngebiete. Bewohner insbesondere von Giesen und Ahrbergen werden zusätzlichen Belastungen ausgesetzt.

Der BUND fordert:

Die Lebensgrundlagen Wasser und Boden müssen für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Unser Wasser darf nicht zusätzlich, vermeidbar und dauerhaft durch Salze unbrauchbar gemacht werden. Auch unser fruchtbarer Bördeboden darf nicht auf ewig unter Salzbergen verschwinden.

  • Stopp der Grundwasserkontamination durch die Althalde

  • Begrenzung der Salzeinleitung in die Innerste auf ein Maß, das auch für salzempfindliche Arten verträglich ist,

  • Kein Verbleib von Halden als Ewigkeitslasten,

  • Verringerung der Schadstoff- und Schallemissionen.

 

Dies können wir nur noch vor Gericht erreichen. Wir wenden uns dabei nicht gegen die Kaliproduktion an sich, sondern wollen, dass sie umweltfreundlich geschieht.

Der BUND Landesverband Niedersachsen hat Klage sowohl gegen den Planfeststellungsbeschluss als auch gegen die Erlaubnis zur Einleitung salzhaltiger Abwässer in die Innerste erhoben. Die BUND Kreisgruppe Hildesheim und die Bürgerinitiative GiesenSchacht unterstützen diese zweifache Klage inhaltlich und finanziell.

Bitte helfen Sie uns dabei durch ihre Spende an:

BUND Landesverband Niedersachsen Kreisgruppe Hildesheim,

IBAN: DE86 2595 0130 0050 7221 89 bei der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine.

Verwendungszweck: Spende SALZ


Fragen und Antworten zur Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerks Siegfried Giesen

Kaliberg Kaliberg  (M. Köhler)

Was ist geplant?

Die K+S AG beabsichtigt, den Salzbergbau und die Düngemittelproduktion in dem seit 1987 ruhenden Bergwerk in Giesen wieder aufzunehmen.

Die dazu erforderliche Genehmigung in Form eines Planfeststellungsbeschlusses wurde Ende Januar 2019 durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) erteilt. Dieser beinhaltet auch die wasserrechtliche Erlaubnis zur Einleitung von salzhaltigen Abwässern in die Innerste.

Am bisherigen Standort wird ein neues Werk entstehen. Die Schächte in Giesen, Ahrbergen, Barnten und Sarstedt werden wieder in Betrieb genommen. Die Grubenbahn vom Werk durch Ahrbergen zum Anschluss an die DB Strecke bei Harsum wird auf der alten Trasse neu gebaut.

In der geplanten Betriebszeit von 40 Jahren sollen 108 Mio. Tonnen Rohsalze gefördert und daraus 42 Mio. Tonnen Dünger hergestellt werden. Da nur 39 % der geförderten Rohsalze zu Produkten verarbeitet werden, fallen enorme Mengen an Rückständen an, die zu 62 % in das Bergwerk zurückgebracht und zu 38 % auf eine neue Halde geschüttet werden sollen. Diese Halde wird mit ca. 50 ha Grundfläche und einem Gewicht von 26 Millionen Tonnen dreimal größer werden als die Giesener Althalde. Die Neuhalde soll sukzessive mit der Aufschüttung abgedeckt und begrünt werden.

 

Woraus bestehen Kalihalden?

Kalihalden sind nichts anderes als Salzberge, die zum allergrößten Teil aus Natriumchlorid (Kochsalz) bestehen. Daneben enthalten sie nennenswerte Reste der für die Düngerproduktion benötigten, durch das Trennverfahren aber nicht herausgelösten Kalium- und Magnesiumsalze.

Warum sind Kalihalden umweltschädlich?

Salz ist bekanntlich gut wasserlöslich. Regen löst daher die Halden nach und nach auf. Ein Liter (Regen)Wasser kann mehr als 300 g Salz aufnehmen und wird so zu Salzlauge. Bereits bei einer Salzfracht von 250 mg/l, also weniger als einem Tausendstel dieser Menge, werden die Grenzwerte für Trinkwasser und sauberes Grundwasser überschritten. Ein Teil der Salzlauge wird gesammelt und in die Innerste eingeleitet. Aber tausende Tonnen Salz versickern auch jedes Jahr im Boden, weil die Althalde, wie die übrigen Kali-Althalden in Niedersachsen auch, keine Basisabdichtung hat und der sie umgebende Ringgraben die herabfließende Salzlauge nicht vollständig auffängt. Das Grundwasser unter der Halde ist deshalb seit langem völlig versalzen. Die Grenzwerte werden hier um ein Vielfaches überschritten. Eine mehr als 2 km lange „Fahne“ aus Salzwasser bewegt sich mit der Grundwasserfließrichtung in Richtung Innerste und hat sie bereits erreicht. Kalihalden belasten somit die Flüsse und das Grundwasser mit schädlichen Salzfrachten.

Chemische und ökologische Gewässergüte der Innerste bei Giesen. Chemische und ökologische Gewässergüte der Innerste bei Giesen.  (Quelle: Wasserkörperdatenblatt 20001 Innerste, Stand Dezember 2016)

In welchem Zustand sind Wasser und Grundwasser aktuell?

Sowohl das Grundwasser in Giesen als auch die Innerste sind in schlechtem chemischen Zustand. Ursache dafür ist hauptsächlich das giftige Schwermetall Cadmium, das sich im Boden und im Sediment der Innerste befindet.

Der ökologische Zustand der Innerste ist unbefriedigend, weil sowohl die Fischfauna als auch die Pflanzen in diese schlechte Qualitätsstufe eingeordnet wurden.

Chemische und ökologische Gewässergüte der Innerste bei Giesen.  (Quelle: Wasserkörperdatenblatt 20001 Innerste, Stand Dezember 2016

 

Wieviel mehr Salz wird nach der Wiederinbetriebnahme eingeleitet?

Vor allem in der Anfahrphase des Bergwerks wird deutlich mehr Salzwasser eingeleitet werden als heute, weil die Neuhalde dann noch nicht abgedeckt werden kann. Die Haldenwassermenge soll um bis zu 80% und die Salz- (genauer Chlorid) menge um bis zu120% zunehmen. Wir gehen davon aus, dass tatsächlich dauerhaft sehr viel mehr Salzwasser anfallen wird, als vom Antragsteller prognostiziert und beantragt wurde und dass große Teile dieser Mehrmengen auch eingeleitet werden können. Für die übrigen Mengen ist ein Entsorgungsnachweis noch zu erbringen. Hinzu kommt, dass das durch die Althalde verunreinigte, stark salzhaltige Grundwasser in die Innerste einsickern und die Vorbelastung erhöhen wird. Dieser Effekt wurde von K+S nicht erkannt und berücksichtigt.

 

Wie wirkt sich das Salz auf den Gewässerzustand aus?

Wenn mehr Salz eingeleitet wird bzw. aus dem Grundwasser einsickert, steigt natürlich auch die Salzkonzentration in der Innerste. Kritisch ist der Mittelwert von 200 mg Chlorid pro Liter, weil höhere Salzkonzentrationen mit dem angestrebten guten ökologischen Zustand des Gewässers nicht vereinbar sind. Die wasserrechtliche Erlaubnis lässt eine maximale Chloridkonzentration von 300 mg/l in der Anfahrphase zu und gewährleistet somit nicht, dass der kritische Mittelwert von 200 mg/l stets eingehalten wird. Dies ist ein Verstoß gegen das im § 27 Wasserhaushaltsgesetz verankerte Verschlechterungsverbot und das Verbesserungsgebot.

Noch deutlich empfindlicher auf Salz reagieren die flutende Wasservegetation und das Bachneunauge, die beide in dem an der Mündung der Innerste in die Leine beginnenden FFH Gebiet „Leineaue zwischen Hannover und Ruthe“ zu finden sind. Ihre „Toleranzschwelle“ wird bereits bei einer Chlorid Konzentration von 50 mg/l im Jahresmittel erreicht. Ein Wert, der im FFH Gebiet sicher überschritten wird. Dies ist in der FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht beachtet worden.

Ebenfalls nicht erkannt und berücksichtigt wurde, dass Cadmium und andere Schwermetalle durch Salze mobilisiert, d.h. aus dem Gewässerbett gelöst und für Lebewesen verfügbar gemacht werden. Dadurch erhöht sich ihre schädigende Wirkung auf Gewässerorganismen. Durch die kombinierte Wirkung von Salz und Cadmium wird sich der Zustand von Grund- und Oberflächengewässern verschlechtern statt sich zu verbessern, wie es das europäische und deutsche Wasserrecht fordert.

 

Was will K+S dagegen tun?

Es wurde ein trockenes, elektrostatisches Aufbereitungsverfahrens (ESTA) gewählt. In der Produktion fallen keine Abwässer mehr an. Das Salzwasser von den Halden kann teilweise in der Produktion und zur Anfeuchtung der Rückstände vor der Aufhaldung eingesetzt werden. Im Regelbetrieb (ab B Betriebsjahr 7) muss daher in Jahren mit normalem Niederschlag weniger Abwasser eingeleitet werden als heute. Sofort nach Ende der Produktion muss die Althalde daher abgedeckt sein, um einen erneuten Anstieg der Haldenwassermengen zu vermeiden.

Die Neuhalde erhält eine Basisabdichtung und wird sukzessive mit der Aufhaldung abgedeckt und anschließend begrünt. Die Althalde bleibt dagegen unverändert und soll erst in mehr als 50 Jahren abgedeckt werden, wenn die jetzt beantragte Produktion wieder beendet ist.

 

Neues Werk und Althalde Neues Werk und Althalde  (Quelle: Hartsalzwerk Siegfried Giesen, Planfeststellungsunterlagen, B-Rahmenbetriebsplans S. 103)

Warum wird die Althalde nicht gleich abgedeckt?

Abdeckung und Wiederinbetriebnahme stehen miteinander im Konflikt: Weil das neue Werk am Fuß der Althalde errichtet wird, würde es durch die derzeit übliche Abdeckung von Kalihalden mit Bauschutt und Erdmaterial überschüttet werden, denn das Abdeckmaterial kann nur mit einem wesentlich flacheren Winkel aufgeschüttet werden als das Salz der Kalihalden. Daher verdoppelt sich die Grundfläche der Halde durch die Abdeckung.

 

Warum ist die Abdeckung von Kalihalden nur eine Scheinlösung?

Nach Aussage von K+S können Kalihalden, anders als Deponien, nicht mit einem Dichtungssystem aus Vlies und Folie gegen eindringendes Wasser geschützt werden, weil dieses Material nicht in der Lage wäre, den Senkungen des Salzes zu folgen und reißen würde. Daher werden Kalihalden mit meterdicken Schichten aus mineralischen Abfällen und Erdmaterial als Dichtungs- und Begrünungsschicht zugedeckt. Diese Abdeckung ist nicht wasserdicht. Regenwasser dringt weiter bis zum Salzberg vor und löst ihn langsam auf. Übrig bleibt das Abdeckmaterial. Salzwasser sickert auch weiter in den Untergrund der Althalde, denn eine Basisabdichtung lässt sich nicht nachträglich installieren. Daraus ergibt sich die Jahrhundertaufgabe der Überwachung dieser „Ewigkeitslasten.“

  • Die Abdeckung muss permanent kontrolliert, vermessen und Schäden durch Ausspülungen und Absackungen müssen sofort beseitigt werden.

  • Die salzhaltigen Abwässer müssen aufgefangen und kontrolliert eingeleitet werden.

  • Die Einleitungssteuerung muss durch permanente Messung der Salzbelastung und der Durchflussmenge sicherstellen, dass die Grenzwerte im Gewässer stets eingehalten werden.

  • Das Grundwasser muss z.B. durch Messbrunnen überwacht und ggf., saniert werden.

Dies alles muss die K+S AG für Jahrhunderte bis zum endgültigen „Wegregnen“ der Halden sicherstellen. Aber wird der Bergbaukonzern so lange existieren wie die Halden, die er hinterlässt?

 

Gibt es Alternativen zur Aufhaldung?

Ja, es ist möglich, die beiden Halden wieder in den Salzstock zurückzubringen oder die Rückstände zu verwerten, so dass nach Ende des Bergbaubetriebs keine Halde mehr zurückbleibt.

Statt die Rückstände lose in die Abbauhohlräume zu kippen, können sie mit konzentrierter Salzlauge eingespült und so viel stärker verdichtet werden. Dieses so genannte Spülversatzverfahren wird von K+S andernorts praktiziert, aber für den Standort Giesen abgelehnt. Aber auch mit „trockenem“ Versatz ist deutlich mehr möglich als vorgesehen. 14 Mio. Tonnen Rückstande können mit geringem Mehraufwand in den zusätzlich zu den eigentlichen Abbauhohlräumen entstehenden Infrastrukturhohlräumen untergebracht werden. Die Hohlräume des „alten“ Bergwerks sind dabei noch nicht berücksichtigt. Schließlich ließe sich bei der Flutung des Bergwerks nach Betriebsende Haldenmaterial von einigen Millionen Tonnen in dem für die Flutung genutzten Süßwasser auflösen und einspülen. Von den 26 Millionen t der Neuhalde verbleiben dann nur noch ca. 4 Millionen t, die als Industrie-, Tau- oder Speisesalz verwertet werden können.

 

Warum wurden diese nicht gewählt?

Alle Alternativen wurden als nicht dem Stand der Technik entsprechend und/oder wirtschaftlich nicht zumutbar verworfen. Die Einsparungen bei den Haldenabdeckungen sowie deren Überwachung und Pflege für die nächsten 1000 Jahre wurden dabei allerdings nicht gegengerechnet. Versatz, also das Verbringen der Rückstände unter Tage, ist nur für die Abbauhohlräume zur Stabilisierung des Bergwerks vorgeschrieben, nicht für die übrigen Hohlräume. Dies wäre jedoch eine sinnvolle Entsorgungsmaßnahme. Salze sind am sichersten im Salzstock aufbewahrt, nicht an der Erdoberfläche wo sie unvermeidbar in Kontakt mit Wasser kommen und großen Schaden anrichten.

Bei der Flutung zieht K+S es vor, Salzlauge aus anderen Werken zu entsorgen, statt die Halden aufzulösen. Dies soll jetzt im stillgelegten Bergwerk Sigmundshall bei Wunstorf geschehen. Dort sollen 15 Jahre lang sechs Züge mit Salzlauge pro Tag an sechs Tagen der Woche rollen.

Ein weiterer wichtiger Grund warum Lösungen für die Umweltproblematik nicht gesucht wurden ist, dass diese bewusst nicht richtig und vollständig beschrieben wurde: Die Althalde und die durch sie verursachte Grundwasserkontamination waren nicht Teil des Verfahrens, sondern wurden als „Vorbelastung“ ausgeblendet. Der Schutz des Grundwassers vor dem Salz von der Althalde und der Innerste vor dem Salz aus dem Grundwasser spielte daher im Verfahren keine Rolle. Im Gegenteil setzt der Planfeststellungsbeschluss darauf, dass noch mindestens 50 Jahre lang weiter Salz im Boden versickern darf. Erst nach Ende der Produktion ist mit der Abdeckung eine Begrenzung, nicht aber der Stopp der Versalzung geplant. Alle Fragen des Rückstandsmanagements (Versatz, Verwertung, Beseitigung) wurden nur für die neue Produktion untersucht, hätten aber sinnvollerweise für Alt- und Neuhalde gemeinsam gelöst werden sollen.

Ausbreitung der Salzfahne im Grundwasser. Ausbreitung der Salzfahne im Grundwasser.  (Quelle: Vorläufige Gefährdungsabschätzung Werk Siegfried Giesen, Althalde 28.3.2019, Anlage 6)

Ist die Einleitung von Salzlauge erlaubt?

Für den Teil des Salzwassers, der im Ringgraben der Althalde aufgefangen und zusammen mit dem Abwasser von der Neuhalde in die Innerste eingeleitet wird, hat K+S im Planfeststellungsbeschluss eine Einleitungserlaubnis erhalten. Ob diese rechtsmäßig erteilt wurde, wird nun durch die Klage des BUND geklärt. Der andere Teil, der im Boden versickert, wurde im Verfahren gar nicht betrachtet. Die erforderliche Erlaubnis zur Benutzung des Grundwassers liegt nicht vor, wurde nicht beantragt und könnte in Anbetracht der bestehenden Belastung des Grundwassers auch nicht erteilt werde. Die derzeitige Praxis der Einbringung von Schadstoffen in das Grundwasser muss beendet werden!

 

Wo liegt das Hauptproblem?

Das Hauptproblem aus Umweltsicht besteht darin, dass der der Bergwerksbetrieb neu starten soll, ohne die Altlast des vorhandenen Betriebs, nämlich die Althalde, zu beseitigen, oder zumindest deren Auswirkungen angemessen zu berücksichtigen. Stattdessen wird der Problemdruck noch erhöht indem eine neue, noch viel größere Halde aufgeschüttet wird, die zusätzliche Haldenwassermengen erzeugt.

Zudem werden nicht alle Möglichkeiten, die Rückstände wieder nach unter Tage zu bringen oder zu verwerten ausgeschöpft.

 

Welche weiteren Umweltwirkungen hat die Wiederinbetriebnahme?

Die Wohngebiete von Ahrbergen werden durch den Lärm der Werksbahn, die in geringem Abstand an den Häusern vorbeirollt, sowie die ungefiltert aus dem Schacht Fürstenhall strömende Abluft aus dem Bergwerk belastet. Der Boden wird großflächig versiegelt: Allein unter der Neuhalde sollen 50 Hektar fruchtbarer Bördeboden verschwinden, insgesamt werden 110 Hektar Fläche benötigt. Dadurch geht auch der Lebensraum geschützter Arten wie Feldlerche und Feldhamster verloren.

 

Fazit

  • Die Halden belasten die Fließgewässer und deren salzempfindliche Arten sowie das Grundwasser durch Salzlauge.

  • Es wird mehr Salzlauge anfallen und eingeleitet werden als beantragt.

  • Die Belastung der Fließgewässer ist ein Verstoß gegen die Ge- und Verbote des § 27 Wasserhaushaltsgesetz sowie eine Verletzung der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie.

  • Die Kontamination des Grundwassers geschieht ohne Erlaubnis.

  • Die Halden versiegeln wertvollen Ackerboden und vernichten Lebensräume.

  • Die Abdeckung der Halden stoppt die Gewässerversalzung nicht, sondern verlangsamt sie nur und verwandelt die Halden erst recht in „Ewigkeitslasten“, die über Jahrtausende überwacht und ausgebessert werden müssen.

  • Beide Halden können wieder in den Salzstock zurückgebracht und/oder die Salze verwertet werden.

  • Behörden und die K+S AG stehen nicht zu ihrer Verantwortung für das Grundwasser und die Althalde, sondern grenzen dies Problem aus dem Verfahren aus.

  • Die Bewohner insbesondere von Giesen und Ahrbergen werden zusätzlichen Belastungen durch Verkehrslärm und Emissionen ausgesetzt.

 

Was fordert der BUND?

Die Lebensgrundlagen Wasser und Boden müssen für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Unser Wasser darf nicht zusätzlich durch Salze unbrauchbar gemacht werden. Auch unser fruchtbarer Bördeboden darf nicht auf ewig unter einem Salzberg verschwinden.

Deshalb fordern wir:

  •  Stopp der Grundwasserkontamination durch die Althalde
  •  Begrenzung der Salzeinleitung in die Innerste auf ein Maß, das auch für salzempfindliche Arten verträglich ist,
  •  vollständiger Versatz und Verwertung der Rückstände, kein Verbleib von Halden als Ewigkeitslasten,
  •  Verringerung der Schadstoff- und Schallemissionen.

 

Wie handelt der BUND?

Wir haben uns bereits umfangreich mit Stellungnahmen am Planfeststellungsverfahren beteiligt, da dieses abgeschlossen ist, können wir unsere Ziele nur noch vor Gericht erreichen. Wir wenden uns dabei nicht gegen die Kaliproduktion an sich, sondern wollen, dass sie umweltfreundlich geschieht.

Der BUND Landesverband Niedersachsen e.V. hat beim Verwaltungsgericht Hannover Klage sowohl gegen den Planfeststellungsbeschluss als auch gegen die Erlaubnis zur Einleitung salzhaltiger Abwässer in die Innerste erhoben, diese in umfangreichen Klageschriften begründet und dazu auch Gutachter herangezogen. Die BUND Kreisgruppe Hildesheim und die Bürgerinitiative GiesenSchacht unterstützen diese zweifache Klage inhaltlich und finanziell. 

Helfen Sie uns dabei durch ihre Spende an:

BUND Landesverband Niedersachsen Kreisgruppe Hildesheim,

IBAN: DE86 2595 0130 0050 7221 89 bei der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine.

Verwendungszweck: Spende SALZ

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